Interview mit Ulrich Jautz (Rektor der Hochschule Pforzheim)

Bildungsgerechtigkeit und Bildungsteilhabe

 

Luther wird als Reformator gesehen, der Fehlentwicklungen der Kirche seiner Zeit überwinden wollte. Er ist auch durch seine Predigten und Schriften berühmt, in welchen er das Bild eines liebenden und gnädigen Gottes gezeichnet hat. Zu seinen herausragenden Leistungen zählt auch die Übersetzung des Neuen Testaments ins Deutsche in nur elf Wochen.

Als Leiter einer Hochschule möchte ich aber einen Aspekt betonen, der häufig zu wenig beachtet wird. Luther war neben Alexander von Humboldt der bedeutendste Vertreter für die Bildung in Deutschland. Er setzte sich massiv für Bildungsgerechtigkeit und Bildungsteilhabe ein. Ihm ist auch zu verdanken, dass in vielen Städten Deutschlands christliche Volksschulen eingerichtet wurden, die allen Bürgern offen standen. Gerade die Fachhochschulen stehen in der Tradition Luthers, da sie gezielt Bewerber aus bildungsferneren Bevölkerungskreisen ausbilden und in großer Zahl Bildungsaufsteiger hervorbringen.

Mit Martin Luther verbinde ich persönlich Kindheitserinnerungen. Ich bin in einem protestantisch geprägten Elternhaus aufgewachsen. Da war Luther natürlich eine Kultfigur und es wurden viele Legenden und Geschichten über ihn erzählt. Heute bewundere ich vor allem den Mut Luthers, in einer Zeit, in der Kirchenkritiker als Ketzer auf dem Scheiterhaufen verbrannt wurden, für seine innere Überzeugung einzutreten.

Die Lehre Luthers auf den Punkt gebracht, heißt für mich: Es gibt einen Gott, einen Glauben und eine Kirche.

 

Ulrich Jautz ist gebürtiger Stuttgarter und von Haus aus Jurist. Seit 2014 ist er Rektor der Hochschule Pforzheim. Ehrenamtlich ist er in verschiedenen Stiftungen tätig, so zum Beispiel auch in der Meyer-Stiftung.

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