Interview mit Andreas Reichstein (Abteilungsleiter der Erlacher Höhe Calw-Nagold)

Jeder Mensch hat das gleiche Recht zu leben

 

Mit Martin Luther verbinde ich einen Menschen, der die Welt und die Kirche verändert hat. Er hat die Welt verändert, weil er im Prinzip die Herrschaftssystematik, welche damals existierte, hinterfragt hat. Er hat diese Gewaltenteilung letztlich auch auf den Kopf gestellt und somit für eine Trennung von Kirche und Staat gesorgt.

Ich sehe Luther aber auch als ein problematisches Vorbild. Wirklich fragwürdig finde ich seinen Umgang mit dem Bauerstand. Er hat die Bauern nicht unterstützt, welche gegen die Hierarchie gekämpft haben. Er meinte zu ihnen: „Ihr habt einen Fürsten und dem habt ihr zu dienen.“ Hier war er seiner Zeit verhaftet.

Ich habe mich früher intensiv mit dem konziliaren Prozess beschäftigt. Der konziliare Prozess ist ein Dreiklang – Bewahrung der Schöpfung, Gerechtigkeit und Frieden. Diese drei Begriffe sind Grundwerte, welche nicht nur vom christlichen Glauben abstammen, sondern auch in anderen Religionen vorkommen. Es sind ethische Grundaspekte, die in allen Religionen gleich sind. Es ist mir heute sehr wichtig, diese drei Grundaspekte zu fördern. Wir müssen als Christen und Christinnen, und sicherlich auch Menschen aus anderen Religionen, dafür eintreten, dass wir gerechte Verhältnisse und Strukturen schaffen. Jeder Mensch muss das gleiche Recht auf Leben haben.

 

 

 

Andreas Reichstein ist Abteilungsleiter der Erlacher Höhe Calw- Nagold. Die Erlacher Höhe ist eine diakonische Einrichtung mit den Schwerpunkten Wohnungslosenhilfe, Arbeitslosenhilfe, Bildung/Coaching und Jugendhilfe. Diese Institution gibt es bereits seit 126 Jahren. Mit ihren verschiedenen Standorten in ganz Baden-Württemberg unterstützt sie viele Menschen. Zurzeit betreut das Team um Herrn Reichstein rund 30 minderjährige Jugendliche, welche aus Afghanistan, Syrien und aus verschiedenen afrikanischen Ländern geflüchtet sind. Eine besondere Rolle bei seiner Arbeit spielt das Thema Bildung.

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