Interview mit Veronika Rais-Wehrstein (Präsidiumsmitglied im Diözesanrat der Diözese Rottenburg-Stuttgart und Vertreterin des Dekanats Calw)

Das Volk Gottes sind wir alle

 

Mit dem Namen Martin Luther verbinde ich von Kindheit an die verschiedenen Konfessionen und eine spannende Beziehung zwischen Christen. Gespräche über und von Martin Luther begleiten einen immer wieder. So verbinde ich auch mit ihm die Anfrage an mich selbst: zu hinterfragen, im Gespräch zu bleiben und offen zu sein.

Martin Luther ist ein wichtiger Teil unserer Kirchengeschichte. Persönlich habe ich vor diesem Augustinermönch einen sehr großen Respekt. Ich verbinde mit ihm eine Volksnähe, die er damals versucht hat herzustellen. Sein Bemühen in der damaligen Zeit, etwas zu ändern, Machtverhältnisse aufzubrechen, Ängste und Unverständnis wahrzunehmen, macht ihn zu einer großen Persönlichkeit. Martin Luther wollte keine Spaltung, sondern er wollte die Religion für das Volk zugänglich machen. So auch mit der Übersetzung der Bibel.

Wäre ich der Luther in der heutigen Zeit, würde ich mich mit der Rolle der Frau beschäftigen. Man muss die Rolle der Frau nicht verändern, sondern versuchen, Frauen den Stellenwert zu geben, den sie eigentlich vom Evangelium aus haben. Außerdem würde ich die Ämter reformieren. Ich würde somit keine Titel verleihen, die immer wieder das Volk von den beruflich Tätigen trennen. Je gewichtiger ein Amt mit Titel ist, umso mehr besteht eine Diskrepanz. Meiner Meinung nach sind wir alle das Volk Gottes und somit auch gleichgestellt.

 

 

Veronika Rais-Wehrstein lebt in Gündringen. Sie ist Präsidiumsmitglied im Diözesanrat der Diözese Rottenburg-Stuttgart und Vertreterin des Dekanats Calw.

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