Interview mit Bernhard Müller (Bezirkskantor des Kirchenbezirks Neuenbürg)

Quer und über den eigenen Tellerrand hinaus

 

Für mich ist Martin Luther der Urvater der evangelischen Kirche. Ihm verdanken wir die deutsche Übersetzung der bis dahin nur lateinischen und griechischen Bibel. Auf ihn geht auch die allgemeine Schulpflicht zurück. Zusammen mit seinem musikalischen Berater Johann Walter hat er Schulchöre und Kantoreien initiiert. Die lutherischen Schriften wirken sich bis heute auf unser Leben aus.

An Martin Luther bewundere ich sein Quer- oder Über-den-Tellerrand-hinaus-Denken sowie seinen Mut und seine Standhaftigkeit im Vertreten der eigenen Position, auch gegen Widerstände: „Hier stehe ich, Gott helfe mir.“ Des Weiteren beeindruckt mich seine klare Argumentation – sola gratia, sola fide, sola scriptura, solus Christus, die wie Sprengstoff auf die herrschende weltliche und geistliche Obrigkeit wirkte. Letztendlich ist Luther eine der überragenden intellektuellen Persönlichkeiten seiner Zeit mit Wirkung bis in die unsrige.

Folgendes täte aus meiner Sicht unserer heutigen Kirche gut: Sich bewusst werden und anderen bewusst machen, woran wir eigentlich glauben. Des Weiteren sollte sie bereit sein, bewährtes Altes mit neuem Know-how unter die Leute zu bringen. Immer wieder Neues wagen. Eben wie Luther: Quer- und über den eigenen Tellerrand hinaus denken.

 

 

Seit 22 Jahren ist Bernhard Müller Bezirkskantor im Dekanat Neuenbürg. Er ist für die Aus- und Weiterbildung von Organisten und Chorleitern zuständig und berät Kirchenmusiker und Kirchengemeinden in kirchenmusikalischen Sachfragen.

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