Interview mit Prof. Dr. Andreas König (SRH Calw)

Zurück zum eigentlichen Sinn

 

Mit der Kulturpersönlichkeit des Abendlandes Martin Luther verbinde ich in erster Linie die Figur des Querdenkers mit einem umtriebigen Geist und des Widerständlers. In einer Zeit, in der die katholische Kirche so viel Macht besaß, dass sie den Herrschaftsapparat bestimmte und die gesamte damalige Gesellschaft durchdrang, bewies Martin Luther Mut. Er durchbrach gefestigte Gesellschaftsformen mit seiner Kritik, was durchaus ein gewagtes Unterfangen war. Doch er ist den Ansprüchen, welche er an sich, aber auch an andere gestellt hat, nur teilweise gerecht geworden. Das machte ihn für mich menschlich in seinem Tun. Als studierter Philosoph und Jurist war Martin Luther ein Mensch der Vernunft. Er war rhetorisch und wissenschaftlich gebildet – ja, man kann sogar sagen, für die damalige Zeit war er einer der besten Denker und trotzdem ein Mann der Spiritualität.

An seiner Person finde ich persönlich mehrere Elemente besonders wichtig und orientierend: Zum einen ist da der starke Impuls Luthers, zum eigentlichen Sinn einer Sache zurückzukehren. Zweitens die Verhaltensweise, andere zu ermutigen, in einer anderen Form zu glauben, was vor 500 Jahren nicht selbstverständlich war. Und schließlich ist da noch Luthers Aufforderung, sich Vernunft und Verantwortung anzueignen, sowohl in der jeweils eigenen Rolle, als auch in der als Christ.

Auf die heutige Zeit übertragen kann Martin Luther ein Vorbild sein. Ablasshandel ist heute etwas, das unser Leben nicht mehr beeinflusst. Jedoch durchdringt die Ökonomisierung unsere Gesellschaft noch viel mehr, als es vor rund 500 Jahren jemals vorstellbar war. Das globale Paradigma der heutigen Welt ist, dass alle und alles unter Ökonomisierungszwängen stehen. Dies führt zu einer Ausschließlichkeit oder einer Totalität der Herrschaft dieses Paradigmas, von der ich glaube, dass diese unsere Welt nicht besser macht. Und diesem Phänomen entgegenzutreten – so wie Martin Luther dies in seiner Zeit machte – , das finde ich eine sehr gute Anleitung.

 

 

Der Geisteswissenschaftler Andreas König ist Professor an der Hochschule für Wirtschaft und Medien (SRH) in Calw, die er bis zum Januar 2017 als Prorektor und Geschäftsführer leitete. Die Hochschule untergliedert sich in zwei Fachbereiche: Wirtschaft und Medien. Mit fünf Bachelor- und zwei Masterstudiengängen hat die SRH eine Menge für junge Leute zu bieten. Studieren kann man hier Betriebswirtschaftslehre in Voll- und Teilzeit, Medien- und Kommunikationsmanagement, Controlling, Kulturmanagement, Marketingmanagement, Internationales Mittelstandsmanagement oder Media Management and Public Communication.

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen