Interview mit Verónica Kluge (Chorleiterin des Kirchenchors Ettmannsweiler-Beuren der Gemeinde Simmersfeld)

Unser Gegenüber mit Barmherzigkeit betrachten

 

In Luther sehe ich den Begründer des Protestantismus und der evangelischen Kirche. Er war ein sehr mutiger Mensch. Dabei möchte ich besonders das Wort Mensch betonen, da Luther sich auch durch seine Menschlichkeit auszeichnet. Er kannte das Leben, die Leidenschaften und Sorgen der Menschen seiner Zeit. Ich denke, dass er aufgrund des Bauernkrieges mit sich gehadert hat. Ihm war bewusst, dass seine Taten und Erkenntnisse der Auslöser waren. Dies war schlussendlich auch der Grund, warum er etwas „zurückgerudert“ ist. Dies sollte uns Menschen lehren, nicht immer felsenfest auf unseren Behauptungen zu beharren – stattdessen sollten wir die Folgen im Blick haben und manche Dinge überdenken. Sowohl für Martin Luther als auch für mich steht der Mensch im Mittelpunkt – und ich würde uns beide als Macher bezeichnen.

Das Denken der Kirche basierte auf einer vertikalen Aufstellung. Dies bedeutet, dass eine hierarchische Einteilung der Gesellschaft herrschte. Luther hatte eine horizontale Denkweise, basierend auf Jesu Christi Aussage: „Was ihr dem geringsten meiner Brüder getan habt, das habt ihr mir getan.“ Jesus lehrte uns auch, auf unsere Mitmenschen zu achten, und gab uns den Auftrag, alle Völker zu Jüngern zu machen. Er schickt uns bewusst zu unseren Mitmenschen. In den Liedern, die ich mit meinen Chören singe, versuche ich aktuelle Worte für die Botschaften zu finden, um die aktuellen Probleme der Leute aufzugreifen und anzusprechen. Wir sollten also weg vom vertikalen und hin zum horizontalen Denken, denn das ist der Wille Gottes und das war auch Luthers Gedanke. Des Weiteren sollten wir unser Gegenüber mit Barmherzigkeit betrachten und es nicht an seinen Sünden messen. Diesen milden Umgang mit den Menschen suchte Luther zu seiner Zeit vergeblich bei der damaligen Kirche und dem Papst.

 

Verónica Kluge wurde in Buenos Aires, Argentinien, geboren und lebt seit 27 Jahren in Deutschland. Sie ist bereits in Argentinien deutschsprachig aufgewachsen. Derzeit ist sie im Speditionswesen tätig und ist nebenberuflich Chorleiterin des Kirchenchors Ettmannsweiler-Beuren der Gemeinde Simmersfeld.

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